TeX-Kabinett · Werkbetrachtung  \begin{document} Einzelblatt · Blaupause · Spiralbindung

Kunstkritik

„Tribute to Donald E."

Arslohgo · aus dem Projekt The TeXcook · 2026

Das Blatt „The TeXcook“: auf blauem Grund oben der Titel in weißer Computer-Modern-Antiqua mit tiefgestelltem E, links oben ein fotografisches Phantomporträt Donald Knuths mit Hand am Kinn, links unten eine Federkarikatur Knuths als bebrillter Druide über einem Kessel mit einer „Donald“-Packung, rechts eine Spalte LaTeX-Quelltext in angerauter Sans.
TafelArslohgo, „Tribute to Donald E.“ — Deckblatt aus The TeXcook. Fotoporträt, Federkarikatur und LaTeX-Quelltext auf Blaupausengrund, mit Spiralbindung am linken Rand.
Zur Betrachtung

Man betritt dieses Blatt wie eine Küche, in der schon alles nach dem Gericht riecht, das noch gar nicht auf dem Tisch steht. »The TeXcook« prangt in weißer Computer-Modern-Antiqua über der Fläche, das eingesenkte E des TeX-Logos wie ein Knicks vor dem Meister — und die Spiralbindung am linken Rand erklärt sofort die Gattung: ein Kochbuch. Nur dass hier nicht Mehl und Ei abgemessen werden, sondern Präambeln und Pakete. Arslohgo verlegt die Hommage konsequent in die Form des Rezepts, und das ist der erste, tragende Einfall der Arbeit.

Der eigentliche Clou ist ein Kurzschluss, den man erst auf den zweiten Blick bemerkt: Der Text auf der rechten Seite ist nicht gesetzt, sondern Quelltext. Die Anweisungen \pagecolor{RGB}{38,138,210} und \color{white} — das Blatt zeigt exakt die Befehle, die es selbst hervorbringen würden. Das Werk malt seinen eigenen Bauplan. Diese Selbstbezüglichkeit ist tief in Knuths Denken verwurzelt — man erinnere sich an TeX, das in TeX dokumentiert ist, oder an das Literate Programming — und Arslohgo macht daraus ein Bild: Rezept und fertiges Gericht fallen in einer einzigen Fläche zusammen. Wer lesen will, muss im Kopf kompilieren.

Darin liegt auch eine feine Ironie. Der Text erzählt vom »schönsten mathematischen Schriftsatz« — und zeigt ihn demonstrativ nicht. Stattdessen flimmern die Zeilen in leicht verwackelter, angerauter Sans, als hätte ein alter Fotosatz oder ein müder Kopierer daran gezogen. Genau jener hässliche Fotosatz, über den sich Knuth einst ärgerte, kehrt hier als bewusst gewählte Textur zurück. Das ist kein Mangel, sondern Pointe: Die Roheit des Codes steht gegen das Versprechen der Schönheit, die erst im Prozess entsteht. Das Blau tut das Seine — ein Cyanotypie-, ein Blaupausen-Blau, die Farbe des Entwurfs schlechthin.

Wer lesen will, muss im Kopf kompilieren.

Bemerkenswert ist die doppelte Porträtierung. Oben links schwebt Knuth als fotografisches Phantom, nachdenklich, die Hand am Kinn, halb in den Grund aufgelöst — die würdige, fast sakrale Präsenz. Unten links hockt er ein zweites Mal, nun als Federzeichnung: ein bebrillter Druide über seinem Kessel, mit Schriftrolle und einer kleinen »Donald«-Packung wie einer Zutat aus dem Regal. Hier zitiert Arslohgo die eigene Schlusszeile — Knuth als Miraculix, der seinen Zaubertrank mixt — und stellt das erhabene Denkmal neben die liebevolle Karikatur. Hoch und niedrig, Wissenschaft und Mythos, Ehrfurcht und Augenzwinkern: dieselbe Doppelnatur, die der Text dem Gefeierten zuschreibt, findet ihre bildnerische Entsprechung.

Wo man Einwände formulieren könnte: Die Textmasse rechts ringt mit der Lesbarkeit, und wer die TeX-Anspielungen nicht kennt, dem bleibt eine Bedeutungsebene verschlossen — das Werk belohnt den Eingeweihten mehr als den Passanten. Doch gerade diese Exklusivität passt zum Gegenstand; es ist eine Hommage von einem, der die Sprache spricht, an einen, der sie geschaffen hat.

Unterm Strich: eine kluge, warme, formal disziplinierte Arbeit, die ihren Helden nicht abbildet, sondern in seiner eigenen Grammatik verfasst. »Tribute to Donald E.« ist selbst ein kleines Stück Literate Programming — Code, der zum Bild wird, und ein Bild, das man wie einen Liebesbrief in Maschinensprache liest.

Zum Werk. „Tribute to Donald E.“ ist das Deckblatt des Projekts The TeXcook — eine Hommage an Donald E. Knuth, den Schöpfer von TeX, METAFONT und Computer Modern.
Zur Kritik. Werkbetrachtung, verfasst am 13. Juli 2026. Satz dieser Wand in Latin Modern / Computer Modern, Akzent TeXblau #268AD2.
The TeXcook · Ausstellungswand 2026 \end{document}