Beginnen wir beim Namen, denn er ist Programm. „arslohgo" verbindet das lateinische ars — Kunst, Kunstfertigkeit — mit lohgo, zugleich Namenskürzel und Kurzform von lohgorhythms, der Verfahrenstechnik des Künstlers. Der Begriff schwingt hörbar zwischen Logarithmen, Algorithmen und Rhythmus: eine regelgeleitete, schichtweise Montage, bei der Bilder weniger komponiert als nach wiederkehrenden Verfahren übereinandergerechnet werden. Wer das weiß, sieht „Ds-Che-lada" anders — nicht als spontane Straßengeste, sondern als kalkuliertes Rechenwerk, das nur so tut, als sei es hingesprüht.
Der Titel ist ein trilingualer Kalauer: der Dschelada, der äthiopische Blutbrustpavian; der Revolutionsheilige Che; und, klanglich mitschwingend, die mexikanische Michelada, jenes Biermischgetränk, das Rebellion längst zur Konsumgeste heruntergekühlt hat. Zoologie, Ideologie und Ware kollidieren schon im Wort — das Bild buchstabiert es aus.
Das ist keine bloße Kalauerei, sondern Methode. Die Untrennbarkeit von Sprache und Bild nennt der Künstler selbst sein zentrales Anliegen — „Alles, was ich sehe, ist Sprache. Und alles, was ich spreche, sind Bilder." „Ds-Che-lada" ist dieses Credo, verdichtet in ein einziges Kofferwort: ein Bild, das man erst lesen muss, um es zu sehen.
Formal stapelt arslohgo ein bewusst zusammengeklaubtes Vokabular. Oben ein Graffiti-Tag in Wildstyle-Manier, marineblau und rostrot, mit einem „O", das wie ein schräger Heiligenschein über der Zeile schwebt. Darunter die geballte Faust — hier fast ins Blockhafte, Pixelige zerlegt, als wäre das abgegriffenste Solidaritätssymbol durch einen Kompressionsalgorithmus gejagt worden: das lohgorhythmische Verfahren als digitale Störung im analogen Graffiti. Das Zentrum bildet ein entsättigtes, gespiegeltes Duotone-Foto des Pavians, dessen Symmetrie das Tier ins Ikonenhafte kippt; ganz unten, einmontiert, Kordas Guerrillero Heroico als geisterhafte Schablone — zum Wasserzeichen verblasst.
Diese Schichtung ist das Argument. Che erscheint nicht als Person, sondern als Muster — wie auf T-Shirts, Feuerzeugen und Kaffeebechern. Indem arslohgo ihn mit einem Zootier verrechnet und alles in eine gefälschte Plakat-Ästhetik gießt, entlarvt das Werk den radical chic: Revolution als Merchandising, Aufstand als Pose. Und hier die feinste Pointe des Pseudonyms: Seine Oberfläche lädt zur derben Fehllesart ein — reine Provokation —, doch die tatsächliche Herleitung, ars plus Verfahren, überschreibt sie leise mit Kunst und Methode. Dieselbe Spannung durchzieht das Bild: Es sieht aus wie Krawall und ist in Wahrheit Kalkül.
„Die Faust reckt sich, doch der Käfig bleibt."
Wo die Arbeit wackelt, ist an ihrer eigenen Dichte: Die Ironie ist so lückenlos gesetzt, dass sie stellenweise ins bloß Pointierte kippt — man bewundert die Konstruktion, bevor man etwas fühlt. Kritisiert das Bild die Kommerzialisierung des Widerstands wirklich, oder konsumiert es sie, augenzwinkernd, nur noch einmal mit? Vermutlich ist genau diese Unentscheidbarkeit gewollt. Unterm Strich: eine schlagfertige, punkig-satirische Arbeit in der Tradition der politischen Fotomontage (man denkt an Heartfield) und der schablonenbasierten Street Art — mit eigenem, algorithmischem Twist. Stark im Konzept, im Wortwitz und in der Methode; etwas laut in der Ausführung.
Ich bin arslohgo und betreibe artdig.lohgo.net — „artdig" steht für artes digitales, digitale Kunst. Aufgewachsen in Niederschelden (heute Siegen), lebe ich heute in Bochum. Man könnte mich einen Hobbykünstler nennen, der nach dem Berufsleben seine Freiheit genießt — inzwischen sehe ich mich aber durchaus als ernstzunehmenden Künstler im Feld der modernen digitalen Künste. Ich schätze die Menschen, denen ich begegne, die Orte, die ich besuche, die Spontaneität jeder Gestaltung — und vor allem den unverzichtbaren Kaffee. Mich fasziniert die Untrennbarkeit von Sprache und Bild, ihre gegenseitige Abhängigkeit, und genau das möchte ich in meinen Bildern zum Ausdruck bringen.