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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo
Langage (saussurelment)

»Kritik«

Musik hat einen großen Einfluss auf unser psychologisches Wohlbefinden. Rhythmus, Melodie, Harmonie, Klangfarbe, Dynamik oder Form „nehmen uns mit und lösen etwas in uns aus“. Der Inhalt von Liedern jenseits unserer Muttersprache spielt dabei wegen geringer oder fehlender Fremdsprachenkenntnisse vielfach keine Rolle. Bei mir sind es neben den genannten musikalischen Elementen häufig Liedtitel, die eine Trigger-Funktion ausüben und mich intensiver mit den Inhalten beschäftigen lassen.

„Langage (saussurelment) hat seinen Ausgangspunkt in dem Song „langage“ von Zaho de Sagazan. Der Titel hat mich sofort zurückgeführt in eine Erstsemestervorlesung zu Ferdinand de Saussure in meinem Linguistikstudium Anfang der 1980er Jahre. In Saussures Dreiteilung – „langage“ = Sprache im weitesten Sinne, „langue“ = Sprachsystem und „parole“ = Sprachgebrauch – befindet er „langage“ als ein unüberschaubares Gesamtphänomen, das wissenschaftlich nur schwer fassbar ist.

Und genau das macht Sagazan in ihrem Lied zum Thema, all das Vage, Individuelle, kaum Systematisierbare (während de Saussure das Thema mehr oder weniger wissenschaftlich beiseite legt). Sie befasst sich mit der ganz persönlichen „(Bild)Sprache“ eines Menschen, die sich nicht wirklich in ein System fügen lässt. „Langage“ handelt im Kern von der emotionalen Kommunikation in einer Liebesbeziehung – und der Schwierigkeit, einen Menschen wirklich zu verstehen. Es ist ein Lied über das Verlangen, jemanden auf einer tieferen, nonverbalen Ebene zu verstehen – selbst wenn diese Person einen vor sich selbst warnt.

„Langage (saussurelment) ist der Versuch, dieses Lied in Bildsprache zu transformieren. Zugrunde liegt ein Photo von einer Kommunikationsituation eines Paares in einer Hetero-Beziehung. Die Situation wurde aufgelöst, die Protagonisten wurden isoliert, als in der Darstellung verfremdet und die Hetero-Beziehung „modernisiert“. Sie/Er lässt einige Tage Revue passieren und Bilder von ihm vor ihrem geistigen Auge wieder erscheinen. Sie/Er ruft in ihrem Kopf einen inneren Kalender ab, in dem sie/er zu Daten und Bildern emotionale Anmerkungen gemacht hat.