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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo
Icarus

»Kritik«

Langsam aber sicher weicht die Nacht der Morgendämmerung. Während sich die Dunkelheit durch das erste Dämmerlicht zum orange-roten Glühen des Tagesanbruchs wandelt, weiß der Rochen, dass es Zeit ist, seine Reise durch den Himmel zu beenden und in die dunklen Tiefen zurückzukehren. Ein Rückblick auf eine Reise an die französische Küste: Es ist früher Morgen, und Ray Manzareks „Too Close to the Sun“ (er war der Keyboarder der Doors) erklingt in meinen Kopfhörern, während ich den atemberaubenden Himmel betrachte. Die Verbindung von sanfter Musik und diesem Anblick erzeugt Bilder, die über das Reale hinausgehen. „Too Close to the Sun“ lässt unweigerlich an Ikarus denken, auch wenn sein tragisches Schicksal hier nicht im Mittelpunkt stehen soll. An dieser Stelle tritt der Rochen in die Geschichte ein.

Das Werk beschreibt einen Schwellenmoment zwischen Nacht und Tag, der die Reise des Rochens zwischen Himmel und Meer spiegelt. Die Morgendämmerung überbrückt Dunkelheit und Licht, während der Rochen sowohl die Tiefen als auch die Oberfläche bewohnt und mit der Anmut des Fliegens durchs Wasser gleitet. Obwohl das Meer im Bild nicht sichtbar ist, sondern nur durch das Wesen des Rochens angedeutet wird, spielt es eine entscheidende Rolle.

Die Verbindung zu Ray Manzareks „Too Close to the Sun“ fügt eine weitere Dimension hinzu – für mich scheinen die Keyboard-Töne zu schweben und zu tauchen, genau wie der Rochen im Bild. Die Ikarus-Anspielung gewinnt hier eine neue Bedeutung: Während Ikarus aus Hochmut und Unerfahrenheit stürzte, verkörpert der Rochen Weisheit und Eleganz, er versteht, wann er aufsteigen und wann er abtauchen muss, ohne sich je zu nah an die gefährliche Sonne zu wagen.

Der Rochen wird zu einer Art Anti-Ikarus – einem Geschöpf, das die Bewegung zwischen verschiedenen Welten gemeistert hat. Wo Ikarus nach oben zu entkommen versuchte und die Zerstörung fand, bewegt sich der Rochen in Zyklen und kehrt stets in die Tiefen zurück, wenn das Licht zu intensiv wird. Wir können Rochen als Unterwasservögel betrachten, was nahelegt, dass das Meer vielleicht nur eine andere Art von Himmel mit eigenen Flugregeln ist. In diesem Bild ist der Rochen nicht daran gescheitert, den Himmel zu erreichen; er hat seinen eigenen Himmel in der Umarmung des Ozeans gefunden.

Die Morgenszene wird zum Bild, und mit diesem Bild entsteht eine Geschichte, die Himmel und Meer, Mythos und Wirklichkeit verbindet.

Die Fotografie zeigt den Himmel über Dinard in der Bretagne und ist Teil der Serie „Playing Around with Skies“. Die SKY-Serie erforscht das Thema „Himmel“ in drei Dimensionen: visuell, schriftlich und klanglich.