Alienation

»Kritik«

Darin steckt etwas von Goethes Zauberlehrling – ich werde wirklich „die Geister, die ich rief“ nicht mehr los. Genau das ist mir passiert, als das Smartphone in mein Leben trat. Ich habe mich ewig dagegen gewehrt, es dann aus beruflichen Gründen zu nutzen begonnen, und jetzt kann ich mir mein Privatleben ohne nicht mehr vorstellen. Das bin nicht ich – ich habe Telefonieren immer gemieden –, und doch bin ich es irgendwie schon, denn ich nutze das Smartphone wie einen Computer. Und da meine Abhängigkeit immer weiter wächst, besonders durch die Authentifizierungsanforderungen bei sensiblen Anwendungen, trage ich mittlerweile zwei Smartphones bei mir – das zweite als Backup für den Fall eines totalen Systemausfalls.
Ja, ich finde mein eigenes Verhalten in dieser Hinsicht beunruhigend. Gut, dass wir gewissermaßen multiple Persönlichkeiten sind: Während wir uns in einem Lebenskontext selbst entfremden, befreunden wir uns in und durch einen anderen Kontext mit uns selbst und bewahren hoffentlich unser Gleichgewicht.