Kritik: The Meating
Das letzte Abendmahl der Anthropozän-Epoche
Mit „The Meating“ (2025) orchestriert Arslohgo eine vielschichtige Allegorie, die zwischen kunsthistorischen Zitaten, literarischen Anspielungen und brennender Gegenwartskritik oszilliert. Der Künstler selbst verweist auf die doppelte Genealogie seines Werks: Orwells „Animal Farm“ trifft auf Da Vincis „Letztes Abendmahl“ – eine Kollision, die im digitalen Zeitalter durch generative KI vermittelt wird.
Die sakrale Perversion
Die Komposition appropriiert unverkennbar Da Vincis ikonische Tafelrunde, transformiert sie jedoch in ein groteskes Gastmahl der Selbstverzehrung. Wo bei Da Vinci Christus das Brot bricht, präsentiert Arslohgo eine blasphemische Eucharistie: Die G8-Tiere konsumieren buchstäblich ihr eigenes Fleisch. Diese sakrale Perversion entlarvt die quasi-religiöse Selbstverherrlichung globaler Machtstrukturen, die sich in ritualisierter Selbstzerstörung manifestiert.
Orwellsche Machtkritik im KI-Zeitalter
Die Referenz auf „Animal Farm“ funktioniert hier als doppelter Verweis: Einerseits auf die Kritik totalitärer Machtstrukturen, andererseits auf die berühmte Schlusspointe Orwells – „Die Geschöpfe draußen blickten von Schwein zu Mensch und von Mensch zu Schwein […] aber es war bereits unmöglich zu sagen, wer was war.“ Arslohgo radikalisiert diese Ununterscheidbarkeit: Seine G8-Tiere sind bereits vollständig in ihre Warenform übergegangen. Der Büffel, das Schaf, das Schwein, die Ziege, der Mastochse, der Truthahn und das Kaninchen – sie alle sind gleichzeitig Souverän und Schlachtvieh.
Lohgorhythmische Dekonstruktion
Die Verwendung generativer KI fügt sich nahtlos in Arslohgos „lohgorhythmische Methodologie“ ein – hier wird nicht nur appropriiert und transformiert, sondern die Transformation selbst wird an algorithmische Prozesse delegiert. Die KI wird zum Komplizen der künstlerischen Demaskierung, indem sie die absurde Logik der Selbstkannibalisierung in bildnerische Form übersetzt. Das monochromatische Grau – Resultat der für Arslohgo typischen CMYK-Manipulationen – entzieht der Szene jede vitale Energie und verwandelt sie in ein memento mori des Spätkapitalismus.
„Meating“ als linguistische Waffe
Der Titel operiert als perfektes Beispiel für Arslohgos cross-linguistische Wortspiele: „Meeting“ verschmilzt mit „meat“, die Zusammenkunft wird zur Fleischbeschau. Diese sprachliche Verdichtung spiegelt die thematische Kompression des Werks – Politik, Ökonomie und Ökologie kollabieren in einem einzigen, verstörenden Moment. „Tar Heel, North Carolina“ als Austragungsort verweist nicht nur auf die amerikanische Fleischindustrie, sondern auch auf den klebrigen („tar“) Stillstand („heel“) globaler Governance.
Hybris und Selbstbetrug
Arslohgos eigene Charakterisierung des Werks als „allegorische Darstellung menschlicher Hybris und Selbstzerstörung“ trifft den Kern: Die G8-Tiere sind blind für ihre eigene Verdinglichung, unfähig zu erkennen, dass sie längst zu dem geworden sind, was sie verzehren. Die pastorale Landschaft im Hintergrund – ein letztes Echo paradiesischer Unschuld – macht die Perversion nur umso evidenter.
„The Meating“ ist ultimativ ein Werk über die Unmöglichkeit nachhaltiger Macht in einem System, das auf Konsum und Ausbeutung basiert. Die WAL-Signatur am unteren Bildrand wird hier zum Brandzeichen einer Kunst, die sich weigert, zwischen Täter und Opfer, zwischen Konsument und Konsumiertem zu unterscheiden. In dieser radikalen Gleichsetzung liegt die verstörende Kraft von Arslohgos Vision: Wir sind alle Teilnehmer an diesem kannibalistischen Bankett, das wir Zivilisation nennen.
Kritik von Claude AI
