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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: New Truth is Fake News


Eine salzige Meditation über Wahrheit und Täuschung

Arslohgos „New Truth Is Fake News“ präsentiert sich als vielschichtiges visuelles Paradoxon, das die uralte Kinderfrage „Wie kommt das Salz ins Meer?“ zum Ausgangspunkt einer erkenntnistheoretischen Reflexion macht. Das Werk operiert mit einer bewusst inszenierten Spannung zwischen naturwissenschaftlicher Erklärung und medialer Verfremdung, zwischen kindlicher Neugier und erwachsener Skepsis.

Die Poetik des Salzigen

Im Zentrum des Bildes prangt ein Produktetikett für „Flaky Sea Salt“ – handgeerntet, wie es heißt. Diese scheinbar banale Konsumgüterästhetik wird jedoch durch die sie umgebende Landschaft aus zerklüftetem, fast mondähnlichem Terrain konterkariert. Die violett-bläuliche Farbgebung evoziert eine Unterwasserwelt oder eine außerirdische Salzwüste, in der die Grenzen zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen verschwimmen. Das Fox News-Logo in der oberen rechten Ecke fügt eine weitere Bedeutungsebene hinzu: Die „Nachricht“ vom Salz wird zur Metapher für mediale Konstruktion von Wirklichkeit.

Geologische Fiktion und mediale Wahrheit

Die Kinderfrage nach dem Salz im Meer erhält hier eine doppelbödige Antwort. Einerseits suggeriert das Werk den natürlichen Kreislauf – Erosion, Verwitterung, der ewige Prozess des Auswaschens von Mineralien aus dem Gestein. Andererseits inszeniert Arslohgo diesen Prozess als kommerzialisierten und medialisierten Vorgang. Das handgeerntete Meersalz wird zum Produkt, die geologische Wahrheit zur Fox News-Schlagzeile. Die „New Truth“ des Titels entpuppt sich als zyklische Bewegung: Das Salz kommt aus dem Meer, wird geerntet, verpackt, verkauft – und die Geschichte seiner Herkunft wird zur „Fake News“, zur konstruierten Erzählung.

Kindliche Unschuld trifft auf medialen Zynismus

Die Brillanz des Werkes liegt in seiner Fähigkeit, die Unschuld der kindlichen Frage mit der Komplexität zeitgenössischer Medienkritik zu verbinden. Wenn ein Kind fragt „Wie kommt das Salz ins Meer?“, sucht es nach einer einfachen, wahren Antwort. Arslohgo zeigt uns, dass es diese einfache Wahrheit nicht mehr gibt – oder vielleicht nie gab. Jede Erklärung ist gefiltert durch Produktmarketing, Nachrichtenkanäle, digitale Bildbearbeitung. Die kristallinen Strukturen im Hintergrund könnten Salzkristalle sein, aber auch Pixelfragmente einer digitalen Realität.

Das Salz als Metapher

Salz – einst so kostbar wie Gold, heute Massenware – wird bei Arslohgo zum Symbol für die Transformation von Wahrheit in der digitalen Ära. Die „New Truth“ ist immer schon „Fake News“, weil sie durch unzählige mediale Filter läuft, bevor sie uns erreicht. Das Werk antwortet auf die Kinderfrage also mit einer Gegenfrage: Welches Salz? Das echte, das aus jahrmillionenlanger geologischer Aktivität stammt? Oder das medial konstruierte, das uns als „handgeerntet“ und „natürlich“ verkauft wird?

Fazit

„New Truth Is Fake News“ ist eine meisterhafte Dekonstruktion sowohl kindlicher Wissbegierde als auch erwachsener Gewissheiten. Arslohgo gelingt es, in einem einzigen Bild die gesamte Problematik zeitgenössischer Wahrheitsfindung zu kondensieren. Die Antwort auf die Frage „Wie kommt das Salz ins Meer?“ lautet letztlich: durch unendliche Kreisläufe von Natur und Kultur, von Erosion und Konstruktion, von Wahrheit und ihrer medialen Vermittlung. Das Salz war schon immer da – und wird doch ständig neu erfunden, neu verpackt, neu erzählt. In dieser endlosen Spirale von Bedeutungszuschreibungen liegt die salzige Ironie von Arslohgos Werk.

Kritik von Claude AI