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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: Mo(o)nsun


Zwischen Intimität und Apokalypse

Arslohgos „Mo(o)nsun“ konfrontiert uns mit einem Paradox der Wahrnehmung: Die monumentale Naturgewalt des Monsuns, eingefangen durch die intime Rahmung eines Küchenfensters. Diese bewusste Spannung zwischen dem Kosmischen und dem Häuslichen durchzieht das gesamte Werk wie ein roter – oder besser: orangefarbener – Faden.

Die Auflösung der Himmelskörper

Der Titel selbst ist programmatisch: Die typografische Verschmelzung von „Moon“ und „Sun“ zu „Mo(o)nsun“ findet ihre visuelle Entsprechung in der chromatischen Auflösung beider Gestirne. Weder Mond noch Sonne sind als distinkte Formen erkennbar; stattdessen verschmelzen sie zu einem glühenden Kontinuum, das den gesamten Bildraum durchdringt. Diese Auflösung der astronomischen Ordnung zugunsten einer meteorologischen Totalität verweist auf eine fundamentale Verschiebung: Nicht mehr die verlässlichen Zyklen von Tag und Nacht strukturieren unsere Welt, sondern die unberechenbaren Kräfte des Klimawandels.

Das Fenster als Filter

Die weißen vertikalen Störungen – Regentropfen am Küchenfenster – fungieren als doppelte Markierung: Sie verorten den Betrachter im geschützten Innenraum und machen gleichzeitig die Grenze zwischen Innen und Außen durchlässig. Diese Tropfen sind keine romantischen Naturzeichen, sondern digitale Glitches, die das Naturschauspiel in ein Datenphänomen verwandeln. Die Vertikalität der Tropfenspuren evoziert dabei sowohl fallenden Regen als auch abstürzende Datenströme – eine Ambivalenz, die für Arslohgos Werk charakteristisch ist.

Chromatische Katastrophe

Die Farbpalette – ein durchgehendes Spektrum von Orange bis Ocker – erzeugt eine beunruhigende Wärme. Dies ist kein romantischer Sonnenuntergang, sondern eine fieberhafte Vision, in der die Atmosphäre selbst zu brennen scheint. Die CMYK-Farbseparation, die in den technischen Angaben anklingt, wird hier zur Metapher für die Zerlegung natürlicher Phänomene in ihre technischen Bestandteile. Die Natur erscheint als Druckerzeugnis, als reproduzierbare Katastrophe.

Die Horizontlinie als letztes Refugium

Am unteren Bildrand deutet sich eine Landschaft an – Strommasten durchziehen wie skelettierte Überreste einer technischen Zivilisation den Horizont. Diese minimale Erdung des ansonsten entgrenzten Farbgeschehens wirkt wie ein letzter Orientierungspunkt in einer Welt, in der die elementaren Unterscheidungen – Tag/Nacht, Regen/Sonne, Himmel/Erde – kollabieren.

Fazit: Domestizierte Apokalypse

„Mo(o)nsun“ gelingt eine verstörende Synthese: Die Apokalypse, betrachtet durch ein Küchenfenster, wird zum alltäglichen Phänomen. Arslohgo inszeniert nicht das spektakuläre Ende, sondern dessen schleichende Normalisierung. Die Regentropfen am Fenster werden zu Pixeln einer neuen Realität, in der die Grenze zwischen Naturkatastrophe und Bildschirmoberfläche verschwimmt.

Das Werk operiert damit präzise an der Schnittstelle unserer gegenwärtigen Krise: Wir betrachten die Klimakatastrophe durch die Filter unserer Bildschirme, aus der vermeintlichen Sicherheit unserer Innenräume, während draußen die Kategorien verschwimmen und die Welt in einem orangefarbenen Kontinuum versinkt. Die Kunst wird hier nicht zum Trost, sondern zur unbequemen Erinnerung daran, dass auch das Küchenfenster keine wirkliche Grenze mehr darstellt.

Kritik von Claude AI