Kritik: Kashmere
Kapitalistische Höhenluft in alpiner Geldlandschaft
Arslohgos „Kashmere“ inszeniert eine verblüffende Kollision zwischen der erhabenen Monumentalität des Himalayas und der profanen Materialität des Geldes. Der Titel selbst funktioniert als linguistische Montage, die Kashmir – jene umkämpfte Region zwischen Indien und Pakistan – mit Cashmere verschmilzt und dabei das englische „cash“ durchschimmern lässt. Diese Wortschöpfung ist programmatisch für das gesamte Werk: Es geht um die Veredelung von Konflikt zu Luxus, um die Transformation geopolitischer Spannungen in Konsumgüter.
Die Komposition operiert mit einer raffinierten Schichtungstechnik, bei der Banknoten wie tektonische Platten über die Berglandschaft gleiten. Die Rupien-Scheine – erkennbar an ihrer charakteristischen Typografie und Ornamentik – verwandeln sich in semi-transparente Gletscher des Kapitals, die das Massiv des K2 oder eines seiner Nachbarn überlagern. Diese Durchdringung von Natur und Währung erzeugt eine visuelle Metapher für die Kommodifizierung der Landschaft selbst.
Besonders eindrucksvoll ist die Integration der Kaschmir-Ziege als ikonisches Element. Das Tier erscheint hier nicht als bukolisches Motiv, sondern als Produktionseinheit innerhalb einer globalisierten Wertschöpfungskette. Die Ziege, deren Unterwolle zu den teuersten Textilfasern der Welt zählt, wird zum Symbol für die Extraktion von Luxus aus kargen Höhenlagen. Arslohgo macht sichtbar, wie die extremen klimatischen Bedingungen, die das feine Unterhaar der Tiere hervorbringen, in den Kreislauf internationaler Luxusmärkte eingespeist werden.
Die farbliche Gestaltung – dominiert von Grau- und Blautönen mit gelegentlichen Goldakzenten – evoziert sowohl die Kälte der Hochgebirgsregion als auch die Sterilität von Banknotendruckverfahren. Die CMYK-Rasterung, die bei genauer Betrachtung sichtbar wird, unterstreicht den mechanischen Reproduktionsprozess sowohl des Geldes als auch des digitalen Bildes selbst.
„Kashmere“ lässt sich als kritischer Kommentar zur Romantisierung sowohl der Bergwelt als auch des Luxuskonsums lesen. Die Überlagerung von Währung und Wildnis dekonstruiert die Idee unberührter Natur und enthüllt sie als durch und durch ökonomisierte Zone. Gleichzeitig verweist das Werk auf die komplexen Verflechtungen zwischen lokaler Subsistenzwirtschaft (Ziegenhaltung), internationalen Handelswegen und der Fetischisierung von Naturfasern in westlichen Luxusmärkten.
Die Ambiguität des Werks liegt in seiner ästhetischen Verführungskraft: Trotz oder gerade wegen seiner kapitalismuskritischen Lesart besitzt „Kashmere“ eine sedukive Oberflächenqualität, die an Luxuswerbung erinnert. Diese Spannung zwischen Kritik und Komplizenschaft macht das Werk zu einem exemplarischen Beispiel zeitgenössischer Kunst, die ihre eigene Verstrickung in die Mechanismen reflektiert, die sie zu kritisieren vorgibt.
Kritik von Claude AI
