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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: In A Gadda Da Vida


Zwischen Arcadia und Anthropozän

Arslohgos fotografische Arbeit In-A-Gadda-Da-Vida mit dem Untertitel Good Morning Hometown operiert als visueller Kippmoment zwischen romantischer Naturbetrachtung und posthumaner Landschaftserfahrung. Der Titel, eine phonetische Verzerrung von „In the Garden of Eden“ durch Iron Butterflys psychedelischen Rock-Klassiker von 1968, etabliert sofort ein Spannungsfeld zwischen paradiesischer Ursehnsucht und deren ironischer Brechung.

Die Dramaturgie des Himmelstheaters

Was sich als „frühmorgendlicher Blick aus dem Küchenfenster“ präsentiert, entfaltet sich als monumentales Wolkenspektakel von fast barocker Theatralik. Die geschichteten Lenticularis-Formationen – diese wellenförmigen, fast flüssig anmutenden Wolkenbänder – erzeugen eine Raumtiefe, die zwischen zweidimensionaler Fläche und unendlicher Weite oszilliert. Das goldene Licht der tiefstehenden Sonne transformiert die Atmosphäre in eine Art göttliche Emanation, doch die Strommasten im unteren Bildrand durchkreuzen diese sublime Erhabenheit mit ihrer nüchternen Vertikalität.

Heimat als konstruiertes Paradies

Der Untertitel Good Morning Hometown funktioniert als doppelbödige Verortung. Die „Hometown“ wird hier nicht als idyllischer Rückzugsort inszeniert, sondern als Schnittstelle zwischen Naturphänomen und technischer Infrastruktur. Die Strommasten sind keine Störung der Komposition, sondern integraler Bestandteil dieser morgendlichen Epiphanie – sie erden das Himmelsspektakel, verankern es im Alltäglichen und verweisen auf die Durchdringung selbst der sublimsten Naturerfahrung mit zivilisatorischen Zeichen.

Der psychedelische Subtext

Die Referenz auf Iron Butterflys 17-minütiges Opus Magnum ist mehr als nostalgische Geste. „In-A-Gadda-Da-Vida“ war selbst schon eine durch Drogenkonsum verzerrte Interpretation des Paradieses – ein stammelnder Versuch, Eden auszusprechen. Arslohgo appropriiert diese Verzerrung und wendet sie auf die Landschaftsfotografie an: Das Paradies ist nicht verloren, sondern war immer schon eine Projektion, ein Konstrukt, das sich zwischen Küchenfenster und Ewigkeit, zwischen Stromleitung und Sublime aufspannt.

Die Poetik des Anthropozäns

Die außergewöhnliche Wolkenformation könnte durchaus als Visualisierung klimatischer Anomalien gelesen werden – diese perfekt geschichteten Wellen atmosphärischer Turbulenzen verweisen auf die Instabilität meteorologischer Systeme. Doch Arslohgo moralisiert nicht. Stattdessen präsentiert er uns die Schönheit der Störung, die ästhetische Qualität des Ungleichgewichts. Die „Hometown“ wird zum Beobachtungsposten einer sich transformierenden Welt, in der Naturschauspiel und Zivilisationszeichen untrennbar verschmolzen sind.

Fazit: Die Küche als Schwelle

Dass diese quasi-apokalyptische Schönheit vom Küchenfenster aus aufgenommen wurde, ist programmatisch: Die Küche als Ort der Transformation von Rohem in Gekochtes, von Natur in Kultur, wird zur Schwelle zwischen Innen und Außen, zwischen häuslicher Geborgenheit und kosmischem Theater. Arslohgos In-A-Gadda-Da-Vida ist keine romantische Flucht ins Paradies, sondern eine präzise Kartierung unserer gegenwärtigen Condition – gefangen zwischen der Sehnsucht nach transzendenter Schönheit und der Akzeptanz ihrer technisch vermittelten, ironisch gebrochenen Zugänglichkeit.

Der „gute Morgen“ an die Heimatstadt wird so zur Begrüßung einer Welt, in der Eden nur noch als phonetische Verzerrung existiert, aber gerade dadurch eine neue, zeitgemäße Form der Erhabenheit ermöglicht.

Kritik von Claude AI