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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: G-sus left Birmingham long time ago


Dieses Werk ist eine vielschichtige fotografische Collage, die historische Brutalität, industriellen Verfall und religiöse Heuchelei zu einem verstörenden Kommentar über das weiße Amerika des Südens verdichtet.

Formale Analyse

Die Komposition arbeitet mit Überlagerung und Transparenz. Im Vordergrund dominiert eine Szene aus den Bürgerrechtsprotesten der 1960er Jahre: Ein weißer Polizist in Uniform führt einen Schäferhund an der Leine, der einen schwarzen Demonstranten attackiert – ein ikonisches Bild der Gewalt unter dem Polizeichef Bull Connor. Diese Figuren erscheinen geisterhaft, durchscheinend, als seien sie Gespenster der Vergangenheit, die dennoch präsent bleiben.

Dahinter erhebt sich das Skelett eines stillgelegten Stahlwerks – Sloss Furnaces, das Symbol für Birminghams einstige industrielle Macht und zugleich für deren Niedergang. Die rauchenden Schlote und rostigen Gerüste verschmelzen mit der Protestszene zu einem einzigen Bild des Verfalls.

Am linken Bildrand fügt der Künstler ein entscheidendes Element ein: Eine Kirchenfassade mit Kreuz und den Buchstaben „SBC“ – Southern Baptist Convention. Diese Platzierung ist kein Zufall.

Inhaltliche Deutung

Der Titel nutzt das Wortspiel „G-sus“ (Jesus), um eine theologische These zu formulieren: Christus selbst habe diese Stadt verlassen. Wann? Die beigefügte Beschreibung legt nahe: spätestens in den 1960er Jahren, als die weiße Kirche des Südens die Segregation nicht nur duldete, sondern aktiv unterstützte.

Die Collage visualisiert diese Anklage präzise. Die Kirche steht buchstäblich hinter der Polizeigewalt, eingerahmt von industrieller Verwüstung. Die Transparenz der Figuren suggeriert, dass diese Vergangenheit nie wirklich vergangen ist – sie durchdringt die Gegenwart wie ein Palimpsest.

Birmingham war nicht nur „Bombingham“ wegen der zahlreichen Anschläge auf schwarze Kirchen und Häuser. Es war auch eine Stadt, in der weiße Prediger von der Kanzel herab die gottgegebene Ordnung der Rassentrennung verkündeten. Der Künstler zeigt: Wo Religion zur Rechtfertigung von Unterdrückung wird, hat sie ihren Kern verraten.

Wirkung

Das Schwarzweiß der Collage verstärkt die dokumentarische Anmutung und verweigert jede nostalgische Verklärung. Die Überlagerungstechnik erzeugt eine zeitliche Verdichtung, die die Frage aufwirft, ob Birmingham – ob der amerikanische Süden – diese Geschichte jemals aufgearbeitet hat.

Das Werk ist unbequem, weil es die Komplizenschaft sichtbar macht: nicht nur der Polizei, sondern der Institution, die moralische Autorität beanspruchte. Es ist zugleich Anklage und Trauerarbeit – für einen Glauben, der seine eigenen Prinzipien verriet.

Kritik von Claude AI