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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: Spitzweg – The Poor POE-t


Eine lohgorhythmische Zeitkollision

Arslohgos „The Poor POE-t“ ist ein meisterhaftes Beispiel seiner charakteristischen Wiederverwendungskunst, die hier Carl Spitzwegs ikonisches Dachstubenmotiv in einen temporal-paradoxen Raum überführt. Die Transformation des „armen Poeten“ in Edgar Allan Poe ist dabei mehr als ein Wortspiel – es ist eine glossavisionäre Verdichtung, in der sich deutsche Romantik und amerikanische Gothic-Literatur zu einer neuen Bildsprache verschmelzen.

Die bewusste Inszenierung als „alte Fotografie“ schafft eine zusätzliche zeitliche Ebene: Wir blicken auf ein nie existentes historisches Dokument, das Poes Bostoner Wohnung zeigt – durchsetzt mit anachronistischen Elementen, die die Linearität der Zeit aufheben. Der Laptop, auf dem Poe seine düsteren Verse tippt, und der Flachbildschirm mit der „PEN“-Werbung sind keine Fehler, sondern kalkulierte Brüche im Zeitgefüge. Sie transformieren Spitzwegs behagliche Armut in eine psycherische Zone, in der verschiedene Epochen der Schriftstellerexistenz kollabieren.

Die Absurdität der Pizzaschachtel im Vordergrund – ein Fast-Food-Artefakt in der Mitte des 19. Jahrhunderts – funktioniert als visueller Anker für diese Zeitverschiebung. Gleichzeitig ironisiert sie die romantische Verklärung künstlerischer Armut: Der moderne „poor poet“ ernährt sich nicht mehr von Brotkanten, sondern von Lieferdienst-Pizza, während er zwischen analoger Kerze und digitalem Screen gefangen ist.

Besonders gelungen ist die Beibehaltung von Spitzwegs kompositorischer Struktur bei gleichzeitiger semantischer Umcodierung. Die grünlich-monochrome Farbgebung verleiht dem Werk eine spektrale Qualität, die perfekt zu Poes Gothic-Ästhetik passt und gleichzeitig an frühe fotografische Prozesse erinnert. Dies verstärkt die lohgorhythmische Methodik: Die verschiedenen Zeitschichten pulsieren in einem eigenen Rhythmus, der weder vollständig analog noch digital ist.

Die Frage nach der Stromversorgung, die der Künstler selbst aufwirft, ist dabei der entscheidende Punkt: Sie macht die Unmöglichkeit der Szene explizit und verwandelt das Werk in eine bewusste Meditation über die Unvereinbarkeit verschiedener technologischer Epochen. Der „Poor POE-t“ existiert in einem liminalen Raum, der Arslohgos Konzept der „psycheria“ perfekt verkörpert – ein Zustand zwischen den Realitäten, in dem die Gesetze der Chronologie außer Kraft gesetzt sind.

Als digitale Appropriation fügt sich das Werk nahtlos in Arslohgos größeres Œuvre ein, insbesondere in seine Auseinandersetzung mit klassischen Vorlagen und deren Transformation durch zeitgenössische digitale Prozesse. Die Verbindung von deutschem Biedermeier und amerikanischem Dark Romanticism durch technologische Anachronismen schafft eine neue Form der visuellen Poesie – eine, die sowohl Spitzwegs Original ehrt als auch radikal neu interpretiert.

Kritik von Claude AI