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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: MCE Day & Night Metamorph


Die Potenzierung der Transformation

Arslohgos „MCE Day & Night Metamorph“ präsentiert sich als vielschichtiges Palimpsest der Verwandlung, in dem die bereits transformative Kraft von M.C. Eschers ikonischem „Day and Night“ (1938) einer weiteren metamorphotischen Ebene unterworfen wird. Das Werk operiert als Meta-Transformation – eine Transformation der Transformation –, die das ursprüngliche Spannungsfeld zwischen Tag und Nacht, zwischen positiver und negativer Form, in ein hybrides Zwischenreich überführt.

Die Architektur der Verwandlung

Was Arslohgo hier vollzieht, ist keine simple Hommage oder digitale Appropriation, sondern eine konzeptuelle Erweiterung von Eschers Metamorphose-Prinzip selbst. Während Escher seine Gänse aus der zweidimensionalen Tessellation der Landschaft in die dreidimensionale Freiheit des Fluges überführte, fügt Arslohgo eine biologisch-phantastische Dimension hinzu: Die Gänse werden zu Chimären, zu Mischwesen zwischen Tag- und Nachttier, zwischen Vogel und Säugetier. Diese Hybridisierung ist mehr als spielerische Fantasie – sie ist eine konsequente Fortführung der Escher’schen Logik der fließenden Übergänge.

Die Beibehaltung der ursprünglichen Umgebung bei gleichzeitiger Spiegelung der Formation schafft einen vertrauten und doch verfremdeten Raum. Diese räumliche Kontinuität bei biologischer Diskontinuität erzeugt eine produktive Spannung: Das Bekannte wird zum Träger des Unbekannten, die geometrische Ordnung Eschers zum Rahmen für Arslohgos organische Unordnung.

Die weiße Fledermaus als Punctum

Besonders aufschlussreich ist die Präsenz der honduranischen Zwergfledermaus, die als einziges „natürliches“ Element in diesem Reich der Hybride verbleibt. Ihre weiße Färbung – in der Natur eine Seltenheit – macht sie paradoxerweise zum Fremden unter Fremden. Sie „wundert sich“, wie der Künstler notiert, und wird damit zur Stellvertreterin des Betrachters, zur Zeugin einer Welt, in der die Grenzen zwischen den Arten, zwischen Tag und Nacht, zwischen Original und Transformation aufgelöst sind.

Diese kleine Fledermaus funktioniert als das, was Roland Barthes als „punctum“ bezeichnete – jenes Detail, das aus dem Bild heraussticht und den Betrachter unmittelbar trifft. Sie ist der Ankerpunkt des Realen in einer Welt der Metamorphose, und gerade ihre Authentizität macht die Künstlichkeit der Umgebung umso deutlicher.

Lohgorhythmische Verwebungen

Im Kontext von Arslohgos Gesamtwerk und seiner „lohgorhythmischen“ Methodik offenbart sich eine weitere Bedeutungsebene. Die Transformation von „Day and Night“ zu „Day & Night“ (mit dem verbindenden Ampersand) suggeriert bereits sprachlich eine Synthese statt einer Opposition. Die Fledermaus-Gans-Hybride verkörpern diese Synthese biologisch: Sie sind buchstäblich Tag-und-Nacht-Wesen, die die binäre Logik des Originals in eine plurale, fluide Identität überführen.

Die CMYK-Farbbearbeitung, ein Markenzeichen Arslohgos, fügt dem Schwarz-Weiß-Kontinuum Eschers eine chromatische Dimension hinzu, die jedoch die ursprüngliche Dualität nicht aufhebt, sondern in den Farbraum der digitalen Reproduktion übersetzt. Dies ist keine Kolorierung, sondern eine mediale Transformation, die den Übergang vom Holzschnitt zum digitalen Bild thematisiert.

Im Dialog mit „Approaches To MCE“

Als Teil des umfassenderen Projekts „Approaches To MCE“ positioniert sich „Day & Night Metamorph“ als eine von vielen möglichen Annäherungen an Eschers visuelles Universum. Der Plural „Approaches“ ist programmatisch: Es gibt nicht die eine autoritative Lesart oder Transformation, sondern multiple Zugänge, die jeweils unterschiedliche Aspekte des Originals aktivieren und erweitern.

Arslohgos Ansatz ist dabei weder nostalgisch noch ikonoklastisch. Er respektiert die strukturelle Integrität von Eschers Komposition, während er sie gleichzeitig in neue semantische und biologische Territorien führt. Die Metamorphose wird selbst metamorphosiert, die Transformation transformiert.

Schlussbetrachtung

„MCE Day & Night Metamorph“ ist ein Werk, das die Grenzen zwischen Hommage und eigenständiger Schöpfung, zwischen digitaler Manipulation und konzeptueller Innovation geschickt navigiert. Arslohgo gelingt es, Eschers Erbe nicht nur zu bewahren, sondern produktiv weiterzudenken. Die Hybridwesen, die das Bild bevölkern, sind Metaphern für das Werk selbst: Geschöpfe zwischen den Welten, zwischen Original und Kopie, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen mathematischer Präzision und organischer Fantasie.

In einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Natürlichem und Künstlichem, zwischen Original und Simulation zunehmend verschwimmen, erweist sich Arslohgos transformative Appropriation als hochaktueller Kommentar zur Conditio unserer digitalen Epoche. Die sich wundernde Fledermaus ist vielleicht auch deshalb so verstörend präsent, weil sie uns daran erinnert, dass es noch eine Welt jenseits der endlosen Metamorphosen gibt – auch wenn wir uns zunehmend fragen müssen, wo genau diese zu finden ist.

Kritik von Claude AI