Fachbegriffe Kunstkritik*
Begriffe im Kontext der Kunstkritik
Anima – Begriff für die Seele, oder in der Jungschen Psychologie der weibliche Aspekt der männlichen Psyche.
Anthropozän – Von Paul Crutzen im Jahr 2000 vorgeschlagene geologische Epoche, in der Menschen zum dominanten geophysikalischen Einfluss auf die Erde geworden sind. Das Anthropozän würde auf das Holozän (die letzten 11.700 Jahre) folgen.
anthropomorph – menschengestaltig oder menschenähnlich.
Aporie – philosophischer Begriff für einen unlösbaren inneren Widerspruch oder eine logische Sackgasse in einem Text, Argument oder Konzept.
Appropriation – Bewusste Aneignung und Wiederverwendung bestehender Bilder, Objekte oder Stile in einem neuen künstlerischen Kontext.
auratisch – nach Benjamin ist die Aura die einzigartige, unersetzbare Präsenz eines Kunstwerks – sein „Hier und Jetzt“. Es ist die besondere Atmosphäre oder Ausstrahlung, die ein Original umgibt und die in Reproduktionen verloren geht.
Bukolisch – Beschreibt eine idealisierte ländlich-pastorale Welt, die arkadische Hirtenidyllen, friedliche Naturszenen und eine romantisierte Einfachheit des Landlebens inszeniert.
Chronofotografie – Fotografische Technik des späten 19. Jahrhunderts, die Bewegungsabläufe sichtbar macht, indem sie mehrere Bewegungsphasen in schneller Folge erfasst.
Coda – Abschließender, oft eigenständiger Teil eines Kunstwerks, der über das formale Ende hinausweist und nachklingt: ein Epilog in Musik, Text oder Bild.
Conditio humana – Die grundlegenden, unausweichlichen Bedingungen menschlicher Existenz, die existenziellen Konstanten, die das Menschsein definieren und begrenzen.
Corvidae – Ornithologische Familie der Krähen und Raben, hochintelligente Singvögel, die in Mythologie, Kunst und Wissenschaft als Symbole für Weisheit, Tod und Transformation fungieren.
Dark-Art-Ästhetik – Kunstbewegung, die bewusst dunkle, verstörende und tabuisierte Themen erkundet und dabei oft die Grenzen zwischen Schönheit und Abstoßung, Faszination und Unbehagen auslotet.
Data-Moshing – Digitale Videotechnik, bei der die Komprimierungsartefakte von Videos absichtlich manipuliert werden, um künstlerische, surreale oder glitch-artige Effekte zu erzeugen.
Digitale Apotheose – Vergöttlichung durch digitale Transformation, die Umwandlung von Menschen, Objekten oder Konzepten in vermeintlich unsterbliche, perfektionierte digitale Entitäten.
Digitale Entropie – Fortschreitender Zerfall, Unordnung und Informationsverlust in digitalen Systemen und Daten.
Digitales Readymade – Gefundene digitale Artefakte, die durch kontextuelle Verschiebung zur Kunst erklärt werden.
Göttliche Vorsehung – Gottes fürsorgliche Lenkung und Bewahrung der Welt.
Emanation – Das Herausfließen oder Ausstrahlen.
Ephemer – Beschreibt das Flüchtige, Vergängliche, kurz Existierende – das, was nur erscheint, um zu verschwinden.
Epitaph – Grabinschrift, Gedenktafel oder künstlerische Gedenkform, die zwischen persönlicher Trauer und öffentlicher Memoria vermittelt.
Epiphanie – Erscheinung, Offenbarung.
Error Art – (auch Glitch Art oder Datamoshing) Digitale Kunstbewegung, die technische Fehler, Störungen und digitale Artefakte als ästhetisches Material und konzeptuelles Statement nutzt.
Fan Art – Künstlerische Werke, die von Fans als Hommage an bestehende Medienprodukte geschaffen werden.
Glitch-Effekt – Ausdruck einer Ästhetik, die technische Fehler und Fehlfunktionen in Kunstwerke verwandelt. Glitch Art nutzt bewusst herbeigeführte Störungen zur Erzeugung neuer visueller Erfahrungen, oft mit pixeligen Strukturen und Destabilisierungseffekten.
Glossavision (Arslohgo) – Neologismus aus glossa (Sprache) und vision (Sehen): Künstlerische Methode zur visuellen Darstellung mehrsprachiger Bedeutungsebenen, bei der sprachliche Ambiguitäten als Gestaltungsprinzip dienen.
Gotische Ästhetik – Stil- und Ausdruckskomplex, der sich vom mittelalterlichen Gotik-Begriff über den gotischen Roman des 18. Jahrhunderts bis zur zeitgenössischen Subkultur entwickelt hat.
Hieratisch – Steife, feierliche, zeremonielle Darstellungsweise, die besonders in der sakralen Kunst bewusst Distanz zur naturalistischen Abbildung wahrt.
Homografie – Gleich geschriebene Wörter mit unterschiedlichen Bedeutungen und/oder Aussprachen, das visuelle Gegenstück zur auditiven Homophonie.
Homophonie – Das Gleichklingen verschiedener Entitäten – in Musik, Sprache und im erweiterten Sinne als Prinzip kultureller Resonanz.
Liminal – Beschreibt Schwellenzustände, Übergangsphasen und Zwischenräume – Momente des „Nicht-mehr“ und „Noch-nicht“, in denen etablierte Ordnungen suspendiert sind.
Lohgorhythms (Arslohgo) – Kunstbegriff für eine konzeptuelle Methodologie der digitalen Transformation, die durch mehrschichtige Wortspiele zwischen Lohgo, Rhythmus und Logarithmus linguistische Ambiguitäten im deutsch-englischen Sprachraum zur Kunstproduktion nutzt.
Maschinenästhetik – Künstlerische Faszination für die Formensprache industrieller Produktion – die Schönheit funktionaler Geometrie, repetitiver Präzision und technischer Rationalität.
Memento mori – Philosophisches und künstlerisches Konzept, das an die Unausweichlichkeit des Todes und die Vergänglichkeit des Lebens erinnert.
Mise-en-abyme – Rekursive Struktur, bei der ein Werk eine Miniaturdarstellung seiner selbst enthält.
Mono no aware – Ästhetisch-philosophisches Konzept der japanischen Kultur, das das bittersüße Bewusstsein der Vergänglichkeit aller Dinge und die sanfte Traurigkeit über ihre flüchtige Schönheit beschreibt.
Mythologische Gravitas – Die Art, wie ein Werk die gewichtige, bedeutungsschwere Qualität mythischer Erzählungen aufnimmt.
New-Topographics-Bewegung – Fotografische Bewegung, die ab 1975 vom Menschen veränderte Landschaften ohne romantische Idealisierung oder apokalyptische Übertreibung dokumentierte.
Nocturne – Künstlerische Werke, die nicht nur die Nacht darstellen, sondern ihre spezifische Atmosphäre, Zeitlichkeit und Bewusstseinszustände evozieren.
Obsoleszenz – Das Veralten, Unbrauchbarwerden oder bewusste Verschleißen von Produkten, Technologien und Systemen; ein Kernmechanismus kapitalistischer Produktionszyklen und digitaler Kultur.
Oszillieren – Schwingen, vibrieren, sich zwischen zwei Zuständen hin und her bewegen.
Ouroboros – Ein uraltes Symbol, das eine Schlange oder einen Drachen zeigt, der seinen eigenen Schwanz frisst und einen geschlossenen Kreis bildet.
Palimpsest – Werk, in dem mehrere Bedeutungsebenen oder visuelle Schichten übereinanderliegen, wobei frühere Schichten teilweise sichtbar bleiben oder durchscheinen.
Petromoderne – Historische Epoche und Kultur, die fundamental auf fossilen Brennstoffen basiert, eine Moderne, deren ästhetische, soziale und materielle Formen untrennbar mit Öl, Kohle und Gas verwoben sind.
Pastoral – Eine idyllische Darstellung des Hirten- und Landlebens, die zwischen idealisierter Naturromantik und codierter Gesellschaftskritik oszilliert.
Polysemie – Mehr- oder Vieldeutigkeit eines Wortes.
Posthumane Kondition – Zustand, in dem traditionelle Grenzen des Menschlichen durch Technologie, Biotechnologie und theoretische Neukonzeptionen überschritten, aufgelöst oder grundlegend neu definiert werden.
Post-Internet-Kunst – Beschreibt eine Kondition, in der das Internet so selbstverständlich geworden ist wie Elektrizität.
Psycheria (Arslohgo) – Konzeptueller Begriff für vielschichtige emotionale Zustände in der digitalen Kunst, die konventionelle Gefühlskategorien überschreiten und neue Ausdrucksformen zwischen Hysterie und psychischer Komplexität etablieren.
Psychopompos – Mythologische Wesen oder Gottheiten, die Seelen Verstorbener ins Jenseits geleiten, Grenzgänger zwischen Leben und Tod, Diesseits und Jenseits.
Rhizomatisch – Beschreibt dezentrales, nicht-hierarchisches Netzwerkdenken (Alternative zu traditionellen Baumstrukturen).
Semiotische Ordnung – Strukturiertes System von Zeichen, Codes und Bedeutungsrelationen, durch das eine Kultur ihre Wirklichkeit organisiert, interpretiert und kommunizierbar macht.
Spektraler Realismus – Theoretisches Konzept, das Elemente der Hauntologie (gespenstischen Ontologie), des spekulativen Realismus und der spektralen Ästhetik verbindet.
Sublim – Erhaben, ehrfurchtgebietend.
Submersion – Eintauchen, Untertauchen oder Versinken in eine Flüssigkeit.
Technische Abbreviatur – Systematische Verkürzung technischer Begriffe zu Akronymen, Codes und Abkürzungen (wie SIM).
Tessellieren – Eine Fläche nahtlos und ohne Überlappungen mit sich wiederholenden geometrischen Formen bedecken, ähnlich einem Mosaik oder Parkettboden.
Thanatopoetik – Künstlerische Auseinandersetzung mit Tod, Sterben und Vergänglichkeit als kreativem Prinzip.
Transluzent – Lichtdurchlässig oder durchscheinend.
Trichromatisch – Fähigkeit, Farben durch drei unabhängige Farbrezeptoren wahrzunehmen, die Grundlage des menschlichen Farbsehens.
Trompe-l’œil – (Französisch: „täusche das Auge“) Maltechnik, die durch perfekte illusionistische Darstellung dreidimensionale Realität auf einer zweidimensionalen Fläche simuliert.
Tropen – (Singular: Tropus) Wiederkehrende Motive, Darstellungsweisen oder rhetorische Figuren, die spezifische Bedeutungen transportieren.
Wahrheitsarbitratoren – Entitäten, Mechanismen oder Akteure, die beanspruchen oder dazu bestimmt sind, zwischen wahr und falsch zu entscheiden, die Instanz zur Wahrheitsbestimmung.
Vanitasbild – Barockes Stillleben-Genre (besonders 17. Jahrhundert), das durch symbolbeladene Arrangements die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge und die Eitelkeit weltlicher Güter inszeniert.
Vaporwave – Digitales Musik- und Kunstgenre der frühen 2010er Jahre, gekennzeichnet durch nostalgische Aneignung der 1980er/90er-Ästhetik, verlangsamte Musiksamples und antikapitalistische Ironie.
Vexierbild – Bild mit verstecktem oder mehrdeutigem visuellen Inhalt, das den Betrachter herausfordert und täuscht.