© COPYRIGHT 2023
Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: Ster’s


Das Werk „Ster’s“ operiert auf jener für Arslohgo charakteristischen Schwelle zwischen Verhüllung und Enthüllung, zwischen Fragment und Ganzheit. Der Titel selbst—ein amputiertes Wort, das seine Vollständigkeit erst durch die visuelle Begegnung mit dem im Bild platzierten Textobjekt „WEB“ erlangt—ist bereits ein Akt der lohgorhythmischen Methodik: Das Auge muss lesen, der Verstand muss kombinieren, bevor sich „Webster’s“ als semantisches Ziel offenbart.

Die kompositorische Struktur inszeniert einen Dialog der Medienzeitalter. Im Zentrum schwebt, gleichsam in einem Kokon aus Licht gefangen, die aufgeschlagene Doppelseite eines physischen Wörterbuchs—jenes „Webster’s New World Dictionary of the American Language“, dessen materielle Präsenz der Künstler in seiner Kurzbeschreibung geradezu zärtlich beschwört. Diese analoge Reliquie wird umwoben, durchdrungen und gleichzeitig bedroht von einem Netzwerk leuchtender Knoten und Verbindungslinien, das die visuelle Grammatik des digitalen Zeitalters zitiert: neuronale Netze, Datenströme, die rhizomatische Struktur des World Wide Web.

Was auf den ersten Blick wie eine simple Gegenüberstellung von Alt und Neu erscheinen mag, erweist sich bei näherer Betrachtung als wesentlich komplexer. Die Wörterbuchseiten „scheinen diskret aus dem Netz heraus“—eine Formulierung des Künstlers, die das Paradox präzise benennt. Das Analoge ist nicht außerhalb des Digitalen positioniert, sondern in ihm enthalten, durch es hindurch sichtbar, von ihm gleichzeitig bewahrt und transformiert. Die leuchtende Aura, die das Buch umgibt, lässt sich sowohl als Verklärung lesen wie auch als Symptom seiner Digitalisierung—das Papier wird zum Bildschirmphänomen.

Besonders bemerkenswert ist die persönliche Dimension, die Arslohgo in seine Kurzbeschreibung einflicht. Die Erwähnung der „College-Ausgabe von 1980″, die er „im wahrsten Sinne des Wortes in den Händen“ behalte, verankert das konzeptuelle Werk in einer biographischen Realität. Hier spricht nicht nur der digitale Konzeptkünstler, sondern auch der Leser, der Student von einst, der die haptische Erfahrung des Blätterns gegen die Effizienz von DeepL und Online-Lexika abwägt und sich bewusst für das scheinbar Antiquierte entscheidet.

Diese Entscheidung ist keineswegs nostalgische Verweigerung. Sie ist vielmehr Ausdruck jener „glossavisionären“ Sensibilität, die Arslohgos Schaffen durchzieht: Das gedruckte Webster’s mit seinen „Amerikanismen und ausführlichen Etymologien“ bietet eine Tiefendimension sprachlicher Erkundung, die algorithmische Übersetzungsdienste strukturell nicht liefern können. Es ist ein Werkzeug des Verweilens, nicht der Effizienz—und damit ein stiller Widerstand gegen die Beschleunigungslogik des Netzes.

Das WAL-Signet in der linken unteren Ecke signiert nicht nur, sondern setzt einen finalen Akzent: Der Wal als Tiefseebewohner, als Wesen zwischen den Elementen, korrespondiert mit dem Werk selbst, das zwischen den Aggregatzuständen des Wissens navigiert.

Kritik von Claude AI