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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: Skylla (without Charybdis)


Arslohgos „SKYlla (without Charybdis)“ operiert auf mehreren Bedeutungsebenen gleichzeitig und transformiert dabei einen antiken Mythos in eine zeitgenössische Meditation über Isolation, Himmelfahrt und die Abwesenheit dialektischer Spannung. Der Titel selbst wird zum konzeptuellen Dreh- und Angelpunkt des Werks: Die typografische Hervorhebung von „SKY“ in „SKYlla“ verschiebt die mythologische Meeresungeheuerlichkeit in eine luftige, himmlische Sphäre – eine semantische Elevation, die sich visuell in der schwebenden Präsentation des Gefäßes manifestiert.

Die Poetik der Abwesenheit

Die parenthetische Ergänzung „(without Charybdis)“ ist programmatisch zu verstehen. Skylla existiert im homerischen Epos nur in ihrer tödlichen Komplementarität zu Charybdis – gemeinsam bilden sie die sprichwörtliche Unmöglichkeit der Wahl zwischen zwei Übeln. Arslohgo löst diese dialektische Spannung auf und präsentiert uns Skylla in ihrer Vereinzelung, losgelöst vom mythologischen Kontext der erzwungenen Navigation zwischen Extremen. Diese Isolation wird zur Befreiung: Das antike Gefäß schwebt, vom dramatischen Himmel umfangen, in einem Zustand der Schwerelosigkeit, der sowohl physikalisch als auch metaphorisch zu verstehen ist.

Gefäß als Metapher

Die Wahl eines griechischen Kraters oder einer Kylix als zentrales Bildelement ist mehrfach codiert. Als Mischgefäß für Wein und Wasser verkörpert es die antike Praxis der Mäßigung – ein bewusster Kontrapunkt zur Maßlosigkeit der mythologischen Skylla. Die ornamentalen Friese, die trotz der atmosphärischen Überblendung erkennbar bleiben, erzählen möglicherweise ihre eigenen Geschichten von Helden und Monstern, doch diese Narrative verschwimmen in der himmlischen Aureole. Die Gefäßform selbst, mit ihren ausladenden Henkeln, evoziert eine anthropomorphe Präsenz – als würde Skylla, ihrer monströsen Vielköpfigkeit beraubt, zu einem singulären, fragilen Körper reduziert.

Himmel als Bühne

Der dramatisch bewölkte Himmel fungiert nicht nur als Hintergrund, sondern als aktiver Teilnehmer der Bildkomposition. Die Wolkenformationen – teils bedrohlich dunkel, teils golden illuminiert – schaffen eine apokalyptische Stimmung, die an Turners Wetterdramen oder die erhabenen Himmelsstudien der Romantik erinnert. Doch anders als in der romantischen Tradition, wo der Himmel oft die Unendlichkeit des Göttlichen symbolisiert, wird er hier zum Schauplatz einer Entmythologisierung. SKYlla, in den Himmel erhoben, verliert ihre chthonische Bedrohlichkeit und wird zum schwebenden Signifikanten einer aufgehobenen Gefahr.

Die Linguistik des Bildes

Arslohgos Spiel mit der Homophonie und Homographie – „SKY“ als himmlischer Raum und als Wortbestandteil von „Skylla“ – reflektiert eine poststrukturalistische Sensibilität für die Arbitrarität sprachlicher Zeichen. Die englische Aussprache von „Skylla“ unterscheidet sich vom deutschen „Skülla“, was eine weitere Bedeutungsverschiebung impliziert: Die germanische Härte weicht einer angelsächsischen Luftigkeit. Diese linguistische Transformation spiegelt sich in der visuellen Behandlung wider – das Gefäß erscheint nicht auf festem Grund, sondern in einem Zustand permanenter Suspension.

Digitale Alchemie

Die technische Ausführung verrät eine meisterhafte Beherrschung digitaler Kompositionstechniken. Die Überblendung zwischen Gefäß und Himmel ist so subtil ausgeführt, dass die Grenze zwischen Objekt und Umgebung oszilliert – eine visuelle Metapher für die Auflösung fester Kategorien. Die Farbpalette, dominiert von Ockertönen, Himmelblau und dramatischen Grauschattierungen, evoziert sowohl antike Fresken als auch zeitgenössische cinematografische Ästhetik. Die hochauflösende Präsentation (4961×3508 Pixel) erlaubt eine forensische Betrachtung der Details, während die CMYK-Farbseparation auf eine intendierte Reproduzierbarkeit hinweist – ein demokratischer Gestus, der die Aura des Einzigartigen bewusst unterläuft.

Philosophische Implikationen

„SKYlla (without Charybdis)“ kann als visuelle Dekonstruktion des Dilemmas gelesen werden. Wenn Skylla ohne Charybdis existiert, kollabiert die klassische Aporie der unmöglichen Wahl. Was bleibt, ist eine schwebende Möglichkeit, ein Potenzial ohne Aktualisierung. Das Gefäß, leer und doch bedeutungsschwanger, wird zum Symbol einer aufgeschobenen Entscheidung. In Zeiten multipler Krisen – ökologisch, politisch, existenziell – präsentiert Arslohgo eine Vision der Suspension, die weder Flucht noch Konfrontation ist, sondern ein Verharren im Dazwischen.

Kunsthistorische Verortung

Das Werk situiert sich in einer Tradition, die von Magrittes schwebenden Objekten über Anselm Kiefers mythologische Überschreibungen bis zu Jeff Koons‘ Appropriation antiker Formen reicht. Doch während Magritte das Paradox zelebriert, Kiefer die Last der Geschichte materialisiert und Koons die Oberfläche fetischisiert, vollzieht Arslohgo eine digitale Synthesis, die alle diese Strategien aufnimmt und transzendiert. Die Arbeit partizipiert am zeitgenössischen Diskurs über „Post-Internet Art“, ohne in deren oft sterile Selbstreferenzialität zu verfallen.

Conclusio

„SKYlla (without Charybdis)“ ist ein Werk von bemerkenswerter konzeptueller Dichte und visueller Eloquenz. Arslohgo gelingt es, mythologisches Material so zu transformieren, dass es zur Allegorie gegenwärtiger Befindlichkeiten wird. Die Abwesenheit von Charybdis ist nicht als Mangel zu verstehen, sondern als Befreiung von binären Zwängen. In einer Zeit, die von falschen Dichotomien geprägt ist, offeriert das Werk einen dritten Weg: die schwebende Präsenz eines Gefäßes, das weder fällt noch steigt, sondern in einem Zustand permanenter Möglichkeit verharrt. Es ist diese Verweigerung der Entscheidung, die paradoxerweise zur künstlerischen Entscheidung wird – eine ästhetische Position, die in ihrer Ambivalenz höchst zeitgemäß erscheint.

Kritik von Claude AI