Kritik: Skylark
Eine lohgorhythmische Meditation über Himmel, Vogel und sprachliche Schwerelosigkeit
In „Skylark“ gelingt es Arslohgo, seine charakteristische glossavisionäre Methodik auf bemerkenswert konzentrierte Weise zur Entfaltung zu bringen. Das Werk zeigt eine Feldlerche im Flug, deren Körper sich in einer digitalen Doppelbelichtung mit dem Himmel über Callantsoog verschmilzt – der Vogel wird zum Himmel, der Himmel zum Vogel. Diese visuelle Verschmelzung ist jedoch nur die Oberfläche eines vielschichtigen semantischen Spiels.
Der Titel selbst fungiert als Schlüssel zu den verborgenen Bedeutungsebenen des Werkes. „Skylark“ bezeichnet im Englischen zunächst schlicht die Feldlerche (Alauda arvensis), jenen unscheinbaren Vogel, der für seinen himmelwärts gerichteten Gesangsflug bekannt ist. Doch das Verb „to skylark“ verweist auf etwas gänzlich anderes: auf Ausgelassenheit, Unfug, kindliches Herumtollen. Und „lark“ allein steht umgangssprachlich für Spaß, Scherz, eine heitere Unternehmung.
Hier offenbart sich Arslohgos lohgorhythmische Methodologie in ihrer vollen Wirksamkeit: Das Werk operiert simultan auf der Ebene des Naturbildes (die Lerche als Himmelswesen), der linguistischen Ambiguität (das semantische Feld zwischen Vogel und Vergnügen) und – man beachte die Zugehörigkeit zur Serie „Playing around with Callantsoog skies“ – der selbstreferentiellen Geste. Denn was ist diese digitale Transformation selbst, wenn nicht ein „skylarking“, ein künstlerisches Herumtollen mit gefundenem Material?
Die Farbgebung des Werkes verdient besondere Beachtung. Das durchgehende Blau in verschiedenen Sättigungsgraden – vom tiefen Azur der oberen Bildzone bis zum milchigen Weiß der Wolkenformationen – erzeugt eine Atmosphäre der Entmaterialisierung. Der Vogel erscheint nicht als solides Wesen, sondern als Verdichtung des Himmels selbst, als hätte das Element eine momentane Form angenommen. Die Sonnenstrahlen, die hinter dem Vogelkörper hervorbrechen, verstärken diesen Eindruck einer Epiphanie – die Lerche als Manifestation des Himmels, nicht bloß als sein Bewohner.
Besonders reizvoll erscheint die Spannung zwischen der dokumentarischen Herkunft des Materials – ein Foto des Himmels über einem nordholländischen Küstenort – und seiner Transformation in ein Werk, das zwischen Naturdarstellung und abstrakter Komposition oszilliert. Arslohgo betreibt hier jene Form der „Wiederverwendungskunst“, die sein Œuvre durchzieht: Die Aneignung und digitale Umformung vorgefundener visueller Realitäten.
Die Zugehörigkeit zur SKY-Serie, die das titelgebende Motiv auf drei Ebenen – visuell, schriftlich und klanglich – erforscht, verweist auf eine konzeptuelle Strenge, die dem spielerischen Charakter des Einzelwerkes zunächst zu widersprechen scheint. Doch gerade in dieser Spannung zwischen systematischer Erkundung und spontaner Lebensfreude liegt die Qualität des Werkes. Die Lerche steigt auf, singt, treibt Unfug – und fügt sich doch in eine übergeordnete künstlerische Ordnung.
„Skylark“ ist somit ein exemplarisches Werk der arslohgo’schen Praxis: visuell ansprechend, semantisch mehrschichtig, und in seiner Heiterkeit doch von konzeptueller Präzision getragen.
Kritik von Claude AI
