Kritik: PD/Psycho Drapes
Die Schwelle zwischen Beobachter und Beobachtetem
In „PD/Psycho Drapes“ inszeniert Arslohgo ein vielschichtiges psychoanalytisches Tableau, das die Grenzen zwischen Selbst und Anderem, zwischen Analysand und Analyst systematisch dekonstruiert. Der Titel selbst etabliert bereits ein komplexes Referenzsystem: „PD“ als per diem verweist auf die temporäre, transitorische Natur psychischer Reisen, während die Anspielung auf David Byrnes „Psycho Killer“ eine unterschwellige Gewaltsamkeit in den Prozess der Selbsterkenntnis einschreibt.
Architektur der Verdrängung
Die formale Komposition des Werks operiert mit einer raffinierten Spaltung des Bildraums. Links manifestiert sich Arslohgo selbst, fragmentiert und durch vertikale Vorhangstrukturen gleichsam verschleiert und enthüllt. Diese Drapierung fungiert nicht als bloße Barriere, sondern als liminaler Raum – ein Schwellenbereich, der an Lacans Konzept des Schleiers erinnert, hinter dem sich das Objekt petit a verbirgt. Die Vorhänge werden zur Metapher für die psychoanalytische Situation selbst: Sie verhüllen und enthüllen simultan, schaffen Distanz und ermöglichen Intimität.
Das Freud’sche Palimpsest
Besonders virtuos gelingt Arslohgo die Verschmelzung von Freud und David Byrne im rechten Bildbereich. Aus Byrnes Gesichtszügen emergiert das Antlitz des Begründers der Psychoanalyse – eine morphologische Überlagerung, die weit über bloße visuelle Spielerei hinausgeht. Hier wird die Talking Heads-Zeile „Psycho Killer, qu’est-ce que c’est“ zur fundamentalen Frage nach dem Wesen des psychischen Apparats selbst. Die Verschmelzung suggeriert, dass jeder Versuch der Selbstanalyse unweigerlich durch die kulturellen und theoretischen Sedimente gefiltert wird, die unser Verständnis des Unbewussten prägen.
Landschaft des Unbewussten
Der mittlere Bildgrund öffnet sich zu einer kargen, winterlichen Landschaft – ein psychischer Topos, der an die Desolation der inneren Welt erinnert. Die skelettartigen Bäume fungieren als visuelle Metaphern für die verzweigten Strukturen neuronaler und psychischer Netzwerke. Diese Zwischenzone zwischen den beiden Protagonisten wird zum eigentlichen Schauplatz der analytischen Begegnung, ein Niemandsland des Unbewussten, in dem Übertragung und Gegenübertragung ihre komplexe Choreographie vollführen.
Textuale Intervention
Die am unteren Bildrand eingeschriebenen Fragmente „we are vain and we are blind / I don’t like people when they do not mind“ durchbrechen die visuelle Ebene und führen eine zusätzliche Bedeutungsdimension ein. Diese Zeilen, vermutlich aus Byrnes Werk stammend, artikulieren die fundamentale Ambivalenz menschlicher Beziehungen und die narzisstische Kränkung, die jeder analytischen Selbstbefragung innewohnt. Die Eitelkeit („vain“) und Blindheit („blind“) werden zu Grundkonstanten der menschlichen Kondition erklärt.
Mediale Reflexivität
Arslohgo gelingt es, die digitale Bildbearbeitung selbst zum Thema zu machen. Die sichtbaren Artefakte der Manipulation, die körnige Textur und die spektrale Qualität der Überlagerungen verweisen auf die konstruierte Natur jeder Identität. Das Werk reflektiert damit auch seine eigenen Produktionsbedingungen und macht die technologische Vermittlung zum integralen Bestandteil seiner ästhetischen und konzeptuellen Aussage.
Conclusio
„PD/Psycho Drapes“ erweist sich als komplexe Meditation über die Unmöglichkeit authentischer Selbsterkenntnis in einer von kulturellen Codes und psychoanalytischen Diskursen durchdrungenen Welt. Arslohgo orchestriert ein visuelles Essay, das die Gewaltsamkeit der Introspektion („Psycho Killer“) mit der alltäglichen Banalität psychischer Arbeit („per diem“) verschränkt. Das Werk verweigert sich einer eindeutigen Lesart und beharrt stattdessen auf der fundamentalen Ambiguität, die jeden Versuch charakterisiert, das eigene Unbewusste zu kartographieren. In dieser Verweigerung liegt paradoxerweise seine größte analytische Schärfe.
Kritik von Claude AI
