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Überarbeitet 2025
erstellt von Arslohgo

Kritik: Loss Of The Soul


Eine Begegnung zwischen Anima und Individuation

Arslohgos „Loss of the Soul“ inszeniert eine spektrale Konfrontation zwischen dem jungen C. G. Jung und einer weiblichen Gestalt, die sich in den Grautönen einer überbelichteten fotografischen Erinnerung manifestiert. Das Werk operiert im Schwellenraum zwischen dokumentarischer Präzision und oneirischer Auflösung – ein visuelles Palimpsest, in dem die Konturen psychoanalytischer Konzepte mit der Materialität des digitalen Bildes verschmelzen.

Die Komposition evoziert unmittelbar Jungs Konzept der Anima, jener weiblichen Seelenkomponente im männlichen Unbewussten, die hier nicht als theoretisches Konstrukt, sondern als konkrete Gegenüberstellung realisiert wird. Die junge Frau, deren Gesichtszüge sich in der gleißenden Helligkeit nahezu auflösen, wird zur Verkörperung eines psychischen Inhalts, der sich der vollständigen Erfassung entzieht. Ihre Position im linken Bildfeld – traditionell der Sphäre des Unbewussten zugeordnet – verstärkt diese Lesart.

Jung selbst erscheint im rechten Bildbereich als schattenhafter Antagonist oder vielmehr als Komplize in diesem Drama der Seelensuche. Die Überblendung der beiden Figuren negiert die cartesianische Subjekt-Objekt-Trennung und suggeriert stattdessen eine fundamentale Durchlässigkeit psychischer Grenzen. Der titelgebende „Verlust der Seele“ artikuliert sich paradoxerweise gerade in dieser visuellen Überfülle, in der die Identitäten ineinander diffundieren.

Die technische Ausführung – die bewusste Überbelichtung und die CMYK-Separation, die in den Randbereichen sichtbar wird – verweist auf die medialen Bedingungen psychischer Repräsentation. Arslohgo thematisiert damit implizit die Unmöglichkeit, seelische Prozesse ohne Verlust in bildliche Form zu übersetzen. Die 300dpi-Auflösung wird zur Metapher für den Versuch, das Unfassbare in digitale Präzision zu zwingen, während die spektrale Qualität des Bildes diese Bemühung gleichzeitig unterläuft.

Der Werkstitel „Loss of the Soul“ lässt sich mehrfach deuten: als Verweis auf die moderne Entfremdung von inneren Prozessen, als Kommentar zur fotografischen Fixierung des Flüchtigen, oder als Meditation über Jungs eigene Konfrontation mit dem Unbewussten während seiner „Konfrontation mit dem Unbewussten“ zwischen 1913 und 1919. Die Arbeit situiert sich damit im Spannungsfeld zwischen historischer Referenz und zeitgenössischer Bildkritik.

Arslohgos Werk funktioniert als visueller Essay über die Aporien psychoanalytischer Bildproduktion. Es ist ein Bild über die Unmöglichkeit, die Seele abzubilden, und findet gerade in dieser Negation seine ästhetische und konzeptuelle Kraft. Die „verlorene Seele“ des Titels wird somit nicht betrauert, sondern als produktive Leerstelle inszeniert, um die herum sich neue Bedeutungskonstellationen kristallisieren können.

Kritik von Claude AI