»Kritik«
Ein tiefblaues Meer geht nahtlos in einen ebenso blauen Himmel über, während Wolken rasch vorüberziehen. Aus dem Wasser ragt das Skelett eines Marlins hinter einem alten, weißhaarigen Mann empor – jeder belesene Betrachter wird darin sofort Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ erkennen. „Marlin’s Fate“ verwandelt Hemingways klassische Erzählung in eine zeitgenössische Umwelt-Allegorie. Durch die Darstellung in reinen Ozeanblautönen und die Verschmelzung von Meer und Himmel habe ich eine allumfassende aquatische Welt geschaffen, die verdeutlicht, wie die Ozeane unseren Planeten beherrschen und zugleich der menschlichen Einwirkung schutzlos ausgeliefert sind. Das Marlinskelett erhält eine neue Bedeutung. In Hemingways Original verkörpert Santiagos epischer Kampf mit dem Marlin die Würde sowohl im Sieg als auch in der Niederlage. Hier wird das Skelett zu etwas Bedrohlicherem – zum Beweis für die Pyrrhussiege der Menschheit über die Natur. Die weißhaarige Gestalt erscheint weise, ist es jedoch keineswegs: Wir besitzen das Wissen und die Fähigkeit zur Zerstörung, doch es fehlt uns die Weisheit, davon Abstand zu nehmen. Die makellose Wasseroberfläche täuscht und verbirgt die Verschmutzung darunter: Mikroplastik, Abwässer, Giftmüll und die Verwüstungen durch Überfischung. Zusammen bezeugen sie vernichtend, dass unsere „Siege“ über die Natur letztlich selbstzerstörerisch sind.
Mit Ausnahme des Marlins wurde jedes Bildelement mittels generativer KI erstellt, bevor die Elemente zur Gesamtkomposition zusammengefügt wurden. Das Marlinskelett ist ein frei verfügbares Bild aus dem weltweiten Netz.
