Ink-elomium

»Kritik«

Schon der Titel  ist eine Falle, die sich als Tür ausgibt. Der Name, entlehnt dem „Ynkelonium“ der Perry-Rhodan-Reihe und allein aus klanglicher Verwandtschaft gewählt – ein „Y“ gegen ein „I“ getauscht –, trägt im selben Atemzug das englische ink in sich, die Tusche, mit der das zugrunde liegende Werk entstand. Zufall und Verdichtung zugleich: weniger Beiwerk als Methode.

Das Werk speist sich aus der Tuschezeichnung „French Vacation“ von 1993, entstanden in Le Plessix, Dinard – einem Ort, der  eine mehr als zehnjährige gemeinsam mit C. verbrachte Zeit verkörpert. Doch die Erinnerung ist keine exakte Aufzeichnung, sondern bei jedem Abruf neu zusammengesetzt, gefiltert, verzerrt – mitunter erfunden.

Hier findet sich die erste Transformationsebene: Die Erinnerung ist bereits Verformung, bevor der erste Strich gesetzt wird. Auf der Bildebene wird die Transformation bewusst weiter betrieben – die Landzunge „Pointe de Moulinet“ wird zur vorgelagerten Insel, der Strand „L’Écluse“ zur Dünenlandschaft. Diese Verformung folgt der Escher’schen Logik, in der Räume ineinanderklappen und das Auge keinen festen Stand findet. Doch unterliegt die zweite Transformationsebene nicht der phantasiegesteuerten Willkür – auch wenn das Werk weder an einer Staffelei noch mit einer 2-mm-Tuschefeder auf Leinwand entstanden ist: … nur keine Überinterpretation.

Es bleibt ein Bild, das geweckte Erwartungen enttäuscht. „Ink-elonium“ ist eine „Bild-im-Bild-Minimatroschka“ oder ein „Fehlersuchbild“ – etwas, das man nicht liest, sondern durchsucht, ohne sicher zu sein, ob das Gefundene je dort war oder erst im Suchen entstand. „Ink-elonium“ gibt keine Antwort darauf, was in Dinard wirklich geschah – das Nichtwissen ist die ehrlichere Form.